Lärm­schutz

Flugverkehr ist auch im Zeitalter moderner Technik mit Lärm verbunden. Er wird durch einen Großteil der im Flughafennahbereich lebenden Bevölkerung direkt wahrgenommen. Die Verminderung der Fluglärmbelastung der Anwohner ist ein zentrales Umweltziel der Flughafen Dresden GmbH. Mit dem Ziel, die Lärmauswirkungen auf das Umland möglichst gering zu halten, haben wir freiwillig eine Reihe von Maßnahmen getroffen. 

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Es wurden unter anderem

  • Betriebsregelungen für die Durchführung von Trainings- und Platzrundenflügen eingeführt sowie
  • die Start- und Landegebühren lärmabhängig gestaffelt. Dadurch werden leise Luftfahrzeuge bevorzugt und die Fluggesellschaften zum Einsatz moderner, weniger lauter Flugzeuge motiviert.

Ein Vergleich der Landegebühren zeigt, dass Airlines, deren Maschinen zur lautesten Kategorie gehören, bis zu 500 Prozent der Gebühren zahlen, die für Maschinen der leisesten Kategorie (ICAO Annex 16, Chapter 3; Bonusliste) zu zahlen sind. Folglich hat sich der Anteil dieser auf der "Bonusliste" des Bundesverkehrsministeriums verzeichneten leiseren Flugzeuge in Dresden auf derzeit ca. 98 Prozent erhöht.

Freiwilliges Förderprogramm

Im Rahmen eines von 1996 bis 2002 realisierten freiwilligen Förderprogramms wurden bauliche Schallschutzmaßnahmen für Anwohner im Flughafennahbereich finanziell unterstützt. Gefördert wurden der Einbau von Schallschutzfenstern in Wohn- und Schlafräumen sowie der Einbau von schallgedämmten Lüftungseinrichtungen in den Schlafräumen. Das Förderprogramm hatte ein Investitionsvolumen von rund 2,8 Millionen Euro. Damit haben sich für mehr als 1.550 Anwohner in etwa 640 Wohnungen die Wohnbedingungen spürbar verbessert.

Erfahren Sie mehr zum Thema Passiver Schallschutz

Sanierung und Verlängerung der Start- und Landebahn

2006 und 2007 hat der Dresdner Flughafen seine Start- und Landebahn von Grund auf saniert und um 350 auf 2.850 Meter verlängert. Im Zusammenhang mit dem Planfeststellungsverfahren wurden lärmphysikalische Gutachten vorgelegt. Auf Basis einer Prognose der Flughafenentwicklung bis 2020 wurde die bei Realisierung des Vorhabens voraussichtliche Belastung hinsichtlich des Fluglärms und des aus Abfertigungsvorgängen resultierenden Bodenlärms ermittelt. Diese Erkenntnisse wurden nachfolgend in einem lärmmedizinischen Gutachten bewertet.

Im Planfeststellungsbeschluss vom 25. Oktober 2005 verfügte die Planfeststellungsbehörde entsprechende Auflagen zum Schallschutz. Unter anderem wurde festgelegt:

"Die Flughafen Dresden GmbH hat auf Antrag des Eigentümers eines vollständig oder teilweise innerhalb des Lärmschutzbereichs gelegenen Grundstücks, das am 17.01.2005 bebaut oder bebaubar war, die bauphysikalischen Prüfungen und Berechnungen der erforderlichen Schallschutzmaßnahmen durchzuführen und für entsprechende Schallschutzvorrichtungen an Aufenthalts- und Schlafräumen Sorge zu tragen. Die Schallschutzvorrichtungen haben zu gewährleisten, dass durch An- und Abflüge im Rauminnern bei geschlossenen Fenstern sowohl tags als auch nachts keine höheren Einzelschallpegel als 55 dB(A) auftreten. Zudem haben die Schallschutzvorrichtungen zu gewährleisten, dass der Summenpegel aus flughafenbedingtem Lärm (Fluglärm und Bodenlärm) einen Dauerschallpegel Leq(3) in Aufenthaltsräumen von tags 40 dB(A) und in Schlafräumen von nachts 35 dB(A) nicht übersteigt. Ist der gebotene Schallschutz nachts nur dadurch zu erreichen, dass die Fenster von Schlafräumen geschlossen gehalten werden, hat die Flughafen Dresden GmbH auf Antrag des Eigentümers für Belüftungseinrichtungen an Schlafräumen zu sorgen und sicherzustellen, dass bei geschlossenen Fenstern eine Mindestpegeldifferenz außen/innen von 25 dB(A) gewährleistet ist.

Der Lärmschutzbereich umfasst für den Tag- und den Nachtschutz das Gebiet, in dem für die Nachtstunden (22.00 bis 06.00 Uhr) der sechs verkehrsreichsten Monate ein energieäquivalenter Dauerschallpegel Leq(3) von mindestens 50 dB(A) prognostiziert wird (Anlage 1, Lärmschutzbereich). Die Grenzlinie wird unter Einbeziehung des gesamten flughafenbedingten Lärms berechnet."

Die Antragsfrist ist am 31. August 2009, zwei Jahre nach Inbetriebnahme der sanierten und verlängerten Start- und Landebahn, abgelaufen. Die Umsetzung der notwendigen baulichen Maßnahmen zur Verbesserung des Schallschutzes wurde, bis auf wenige Einzelfälle, abgeschlossen.

Lärmkarte "Fluglärm - Lärmpegelbereiche nach DIN 4109"

Nach der Sächsischen Bauordnung ist durch den Bauherrn ein ausreichender Schallschutz bei Neu- und Umbauten zu gewährleisten. Damit der Bauherr diese Verantwortung auch tatsächlich wahrnehmen kann, wurden durch die Stadtverwaltung im Umweltatlas die Gebiete auf dem Territorium der Landeshauptstadt Dresden ausgewiesen, in denen von einer erhöhten Belastung durch Fluglärm auszugehen ist.

Anhand der amtlichen Lärmkarte kann festgestellt werden, ob für ein Bauvorhaben ein schalltechnischer Nachweis erforderlich ist und von welchem Lärmpegelbereich nach Tabelle 8 der DIN 4109 "Schallschutz im Hochbau" auszugehen ist. Auf Basis dieser Angaben ist eine akustische Dimensionierung der Außenbauteile durch entsprechende Fachleute (Architekten, Bauingenieure, Schallschutztechniker) möglich.

Die kontinuierliche Messung des Fluglärms in der Umgebung des Flughafens ist eine gesetzliche Verpflichtung. In § 19a LuftVG ist festgelegt, dass der Unternehmer eines Flughafens auf dem Flughafen und in dessen Umgebung »Anlagen zur fortlaufend registrierenden Messung der durch die an- und abfliegenden Luftfahrzeuge entstehenden Geräusche einzurichten und zu betreiben« hat. Insbesondere geht es darum, über langfristige Messungen die Entwicklung der Fluglärmbelastung zu kontrollieren und die Wirksamkeit von Maßnahmen zur Lärmminderung zu prüfen.

Im November 2017 erfolgte die Erneuerung der Fluglärmüberwachungsanlage des Flughafens Dresden International.
Die erneuerte Anlage besteht aus vier stationären Messstellen in der Umgebung des Flughafens. Die Anordnung erfolgte in Abstimmung mit der Fluglärmkommission für den Flughafen Dresden unter Berücksichtigung der Vorgaben der DIN 45643-2011 „Messung und Beurteilung von Fluggeräuschen“. Dabei wurden langjährig bewährte Standorte beibehalten und es wurde ein neuer Messstandort am Klinikum Dresden Neustadt errichtet. Für aussagekräftige Ergebnisse sind die Messstellen optimal platziert, das heißt:

  • geringer Abstand zu den veröffentlichten An- und Abflugverfahren, um möglichst viele Lärmereignisse durch überfliegende Flugzeuge zu registrieren,
  • in der Nähe der Wohnbebauung, um die Betroffenheit der Bevölkerung korrekt abzubilden
  • weitgehende Vermeidung von Fremdgeräuschen, z. B. Straßen- oder Schienenverkehr.

Hier erfahren Sie noch mehr zum Thema Lärmmessung.

Standorte der Lärmmessstellen

  • Messstelle 1: Städtisches Klinikum Dresden; Industriestraße 40, 01129 Dresden-Pieschen
  • Messstelle 2: Gomlitzer Höhe 13; 01108 Dresden-Weixdorf
  • Messstelle 3: Medinger Straße 12, 01458 Ottendorf-Okrilla; OT Hermsdorf
  • Messstelle 4: Kiefernweg 34, 01109 Dresden

Messberichte

Die Daten der Messtellen fließen in monatliche Berichte der Fluglärmüberwachung ein. Die jüngsten Berichte können Sie hier abrufen:

Archivdaten

Messverfahren

An allen Messstellen wird kontinuierlich gemessen und für jede Sekunde werden Messwerte aufgezeichnet. Der so ermittelte Pegelzeitverlauf und individuell einstellbare Fluglärm-Erkennungsparameter, welche standortspezifisch und in Abhängigkeit der jeweiligen am Messstandort vorherrschenden akustischen Umgebungsbedingungen (Grundgeräusche, Fremdgeräusche) eingestellt werden, ermöglichen es, ein Fluglärmereignis als solches zu erkennen. Daneben können mit Hilfe der Parameter und durch Kontrolle der Audioaufzeichnungen Fremdgeräusche, wie beispielsweise Auto- und Schienenlärm oder Vögel ausgefiltert werden.

Einmal täglich werden die Messwerte vom Vortag in die Zentrale übertragen und dort den Flugbewegungen zugeordnet. Das heißt, jedes Fluglärmereignis wird mit der verursachenden Flugbewegung korreliert. Für die Korrelation wird ein Zeitfenstermodell verwendet. Dies bedeutet, dass ausgehend von den aktuellen Start- oder Landezeiten der Luftfahrzeuge, welche im Flugtagebuch des Flughafens registriert werden, der Überflugzeitpunkt für den Messstandort ermittelt wird. Dabei wird die An- und Abfluggeschwindigkeit der unterschiedlichen Luftfahrzeugtypenklassen (Strahlflugzeuge, Propellerflugzeuge, Hubschrauber) berücksichtigt. Lärmereignisse, welche die Fluglärmerkennungsparameter erfüllen und nahe dem theoretisch ermittelten Überflugzeitpunkt registriert wurden, können so automatisch zugeordnet werden.
Da hohe Windgeschwindigkeiten die gemessenen Lärmwerte eventuell verfälschen – bei hohen Windgeschwindigkeiten verursacht der Wind allein schon nennenswerte Schalldruckpegel am Mikrofon – werden die unter diesen Bedingungen aufgezeichneten Fluglärmereignisse bei den statistischen Auswertungen nicht berücksichtigt. Dieser Fall tritt auch ein, wenn sehr hohe Fremdgeräusche die Geräusche der Flugzeuge überlagern und eine korrekte Fluglärmmessung verhindern. Entsprechende Meteorologiedaten stehen einerseits über das METAR-System zur Verfügung und werden andererseits an der Messstelle 1 zeitgleich zu den Fluglärmereignissen gemessen.
Erst nach abschließender manueller Prüfung und Korrelation jedes einzelnen Fluglärmereignisses werden die akustischen Kenngrößen, wie zum Beispiel der Dauerschallpegel, berechnet und für nachfolgende Auswertungen, zusammen mit allen akustischen und meteorologischen Mess- und Kennwerten, gespeichert.
Neben der allgemeinen Fluglärmüberwachung dienen diese qualitätsgesicherten Daten als Basis für die Berichterstattung an die Fluglärmkommission und die Veröffentlichung auf der Internetseite der FHD sowie für die Beantwortung von Fluglärmbeschwerden.

Einzel- und Dauerschallpegel
Als Maßstab für die Lärmbelastung werden bei der Beurteilung von Fluglärm zwei Größen herangezogen: der Einzelschallpegel LAmax und der Dauerschallpegel LAeq, jeweils ausgedrückt in dB(A).
Der Einzelschallpegel LAmax beschreibt den maximalen Schalldruckpegel eines Lärmereignisses, z. B. beim Vorbei- oder Überflug eines einzelnen Flugzeuges. Der Dauerschallpegel LAeq (häufig auch als Mittelungspegel bezeichnet) kennzeichnet zeitlich veränderliche Schallpegel mit nur einer Zahl. In den Dauerschallpegel gehen Stärke und Dauer jedes Einzelgeräusches während eines bestimmten Beurteilungszeitraums ein – aufgrund des logarithmischen Prinzips überproportional stark.
Maßgeblich für die Beurteilung von Fluglärm sind die äquivalenten Dauerschallpegel LAeq, Tag und LAeq, Nacht. Der Beurteilungszeitraum Tag umfasst die Zeit von 6 bis 22 Uhr, der Beurteilungszeitraum Nacht die Zeit von 22 bis 6 Uhr.

Messgeräte mit höchster Präzision
Zum Einsatz kommen ausschließlich Messgeräte der höchsten Güteklasse 1, da nur diese eine DIN-konforme Messung zulassen. Für den einwandfreien Betrieb der Fluglärmüberwachungsgeräte wird jede Messstelle täglich überprüft und halbjährlich bei einer Zwischenprüfung akustisch kalibriert.
Sämtliche zur Fluglärmüberwachung eingesetzten Messgeräte werden im Zweijahresrhythmus auf ihre ordnungsgemäße Funktion hin überprüft, gewartet und anschließend kalibriert und geeicht. Nur durch diesen sich wiederholenden Soll/Ist-Abgleich mit einer normierten Vergleichsquelle lässt sich gewährleisten, dass die Messwerte mit höchster Präzision aufgenommen werden.

Vergleichswerte für Schallpegel

Sehr leise Geräusche zwischen Null dB und 20 dB kann man praktisch nur in abgeschirmten Labors wahrnehmen, da die im täglichen Leben üblichen Umgebungsgeräusche bereits lauter sind. In der freien Natur werden bei "vollkommener Stille" Werte von 20 bis 30 dB erreicht. Um die unterschiedliche Empfindlichkeit des menschlichen Gehörs für hohe und tiefe Töne zu berücksichtigen, wird in die Messgeräte ein genormter so genannter A-Filter eingeschaltet. Die Maßeinheit wird dementsprechend dB(A) genannt.

Für die Abhängigkeit des gemessenen Schallpegels vom Abstand zur Schallquelle gilt folgende Faustformel: Eine Verdreifachung des Abstands reduziert den Schallpegel um 10 dB und halbiert damit die empfundene Lärmbelastung.

SituationSchalldruckpegel
Hörschwelle0 dB(A)
Atemgeräusche (ca. 1 Meter Entfernung)25 dB(A)
sehr ruhiges Zimmer20-30 dB(A)
Weckerticken30-35 dB(A)
Blättergeräusche30-40 dB(A)
Flüstern40 dB(A)
normale Unterhaltung (ca. 1 Meter entfernt)50-60 dB(A)
Flugzeug DA 20 Ktana (2 Sitzplätze; 0,7 Tonnen MTOW) bei
Überflug in 300 Meter Höhe
60 dB(A)
Fernseher in Zimmerlautstärke (ca. 1 Meter entfernt)556ß dB(A)
lautes Rufen70 dB(A)
PKW (ca. 10 Meter entfernt)60-80 dB(A)
Flugzeug ATR 42 (maximal 50 Sitzplätze; 16 Tonnen MTOW) beim Start
in 300 Meter seitlicher Entfernung
75 dB(A)
Flugzeug AVRO RJ (maximal 112 Sitzplätze; 44 Tonnen MTOW) beim
Start in 300 Meter seitlicher Entfernung
80 dB(A)
Hauptverkehrsstraße (ca. 10 Meter entfernt)80-85 dB(A)
Flugzeug Airbus A320 (maximal 180 Sitzplätze; 74 Tonnen MTOW) beim Start in 300 Meter seitlicher Entfernung85 dB(A)
Presslufthammer in 1 Meter oder schwerer Lkw in 5 Meter Entfernung90 dB(A)
Flugzeug Boeing B747-400 (maximal 524 Sitzplätze; 386 Tonnen MTOW) beim Start in 300 Meter seitlicher Entfernung90 dB(A)
Diskothek110-120 dB(A)
Autohupe am Fahrbahnrand110 dB(A)
Schmerzgrenzeum 130 dB(A)

MTOW = Maximum Take-Off-Weight = maximales Startgewicht